Erster Halt: die Gemüsefrauen. Sie bezaubern dich, sie plaudern, und manchmal überfallen sie dich blind für eine Handvoll Kräuter. Bezahlen tut man trotzdem. Dann geht es weiter zum Metzger, der genau weiß, wie ich meine Bifana-Scheiben aus Schweinefleisch mag: hauchdünn geschnitten, meine azoreanischen Steaks, dick und marmoriert wie die Kurven, die man schmecken und nicht nur anfassen möchte.
Die Früchte der Saison sind die nächste logische Station.
Und natürlich... die Fischtypen.
Hier ist die Regel: Am Anfang spielt man das Feld aus, probiert alle Fischsorten. Aber früher oder später müssen Sie sich für Ihren Favoriten entscheiden... Ich meine deinen Typen. Denn wenn Sie das nicht tun, werden die anderen den Verrat an Ihnen riechen wie Haie im blutigen Wasser. Die Marktpolitik lässt Game of Thrones wie ein Kirchenpicknick aussehen.
Die Einkäufe sind im Auto verstaut, es ist Frühstückszeit, so wie an der Algarve. Das bedeutet Fleisch, Brot, Alkohol und absolut keine Entschuldigungen.
Als ich noch in Portimão lebte, hatte ich eine Snackbar zwischen den Gemüseständen und den Fischverkäufern. Die Routine war einfach: zwei Bifanas, zwei Bier und ein mit etwas Unheiligem versetzter Kaffee (um acht Uhr morgens). Dann schlenderte man zum Fischladen und lächelte wie ein Mann, der schon drei Drinks intus hat, während der Rest der Stadt sich noch die Zähne putzt.
Jetzt, in Tavira, habe ich aufgerüstet. Da gibt es dieses Lokal mit einer hufeisenförmigen Bar, eine Frühstücksarena, in der täglich Gladiatoren in Schürzen gegeneinander antreten.
Der Sohn, nennen wir ihn Pedro, sieht aus, als hätte er Aguardiente getrunken, seit der Hahn krähte. Mit roten Augen und loser Zunge bearbeitet er eine Schinkenkeule wie ein betrunkener Holzfäller. Vergessen Sie den delikaten Prosciutto, er hackt Schweinestücke ab, als würde er Brennholz spalten.
Die Mutter ist der Anker, das Herz, die Heilige. Sie schwebt von Kunde zu Kunde, rührt Bifanas in aromatische Unterwerfung, brät panierte Hähnchenschnitzel, schiebt Schinken-Käse-Toasties raus und serviert einen Thunfischeintopf aus Fischteilen, die kein Sternekoch anrühren würde (aber man leckt die Schüssel sauber). Ihr Bohnen- und Kuttelgemisch könnte an einem kalten Algarve-Morgen die Toten wiederbeleben.
Und das Getränk? Wein, natürlich. Aber keine Flaschen mit poetischen Etiketten und Verkostungsnotizen. Nein, das ist Krugwein, Fasswein, Bauernwein. Die Art, die man in Schlucken trinkt, nicht in Schlucken. Die Art, bei der man sich fragt, warum man seine Zeit mit etwas anderem verschwendet hat.
Um dich herum die Stammgäste, eingefleischte Einheimische, die sich seit Sonnenaufgang mit Aguardiente, Bier und Wein versorgen. Diese Leute kennen keine "Mäßigung". Sie nicken, du nickst, und plötzlich seid ihr eine Familie, verbunden durch Schweinespeck und billigen Wein.
Das ist das Frühstück. Das ist Portugal.
Vergessen Sie Ihr trauriges "Full English" mit seinen Dosenbohnen und tragischem Toast. Das hier ist fettiges, saufendes, lebensbejahendes Essen, serviert von Leuten, denen dein Kater völlig egal ist.
Und vielleicht ist das genau der Punkt. An diesen Vormittagen geht es nicht um Ernährung oder Disziplin oder das Abhaken von Kästchen auf irgendeiner Wellness-App. Es geht darum, aufzutauchen, wie ein Mensch zu essen, vor dem Mittag zu trinken und sich daran zu erinnern, dass das Leben kurz ist und gelebt werden soll, nicht verwaltet.
Denn eines Tages werden Sie nicht mehr in der Lage sein, mit Fremden, die sich wie alte Freunde fühlen, Kutteln zum Frühstück zu essen. Und an diesem Tag werden Sie sich wünschen, Sie hätten es getan.






