Portugal verzeichnet weiterhin bedeutende Fortschritte im Kampf gegen HIV-Infektionen und konsolidiert damit einen Abwärtstrend, der sich in den letzten zehn Jahren verstärkt hat. Laut dem Bericht "HIV-Infektion in Portugal - 2025", der vom Nationalen Institut für Gesundheit, Dr. Ricardo Jorge(INSA) und der Generaldirektion für Gesundheit(DGS) erstellt wurde, hat das Land zwischen 2015 und 2024 einen Rückgang der Neudiagnosen um 35 % und der AIDS-Fälle um 43 % erreicht.

Im letzten Jahr wurden 997 neue Fälle gemeldet, was bestätigt, dass die Epidemie zurückgeht, auch wenn sie in bestimmten Gruppen weiterhin Anlass zur Sorge gibt.

Das Infektionsprofil: junge Menschen und sexuelle Übertragung

Aus dem Dokument geht hervor, dass die Epidemie in Portugal heute vor allem ein männliches und junges Gesicht hat. Sieben von zehn Neudiagnosen (72,3 %) werden bei Männern gestellt, wobei die Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen die höchste Inzidenzrate im Land aufweist. Was die Übertragungswege anbelangt, so ist die heterosexuelle Übertragung nach wie vor der häufigste Übertragungsweg bei den Gesamtfällen (52,5 %). Betrachtet man jedoch nur die Männer, so dominieren die Fälle bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), mit 60,6 % der Neudiagnosen bei Männern. Dem Bericht zufolge wurden auch drei Fälle bei Kindern unter 15 Jahren gemeldet.

Das Hindernis der späten Diagnose

Trotz der Erfolge bei der Reduzierung der Fälle steht Portugal vor einer strukturellen Herausforderung: der Geschwindigkeit der Entdeckung. Mehr als die Hälfte der neuen Patienten (53,9 %) kommen in einem späten Stadium der Infektion in die Krankenhäuser, was die unmittelbare Wirksamkeit der Behandlung beeinträchtigt und die unbeabsichtigte Übertragung des Virus erleichtert.

Besonders kritisch ist dieses Szenario in der älteren Bevölkerung, wo 65,4 % der über 50-Jährigen die Infektion erst entdecken, wenn sie bereits fortgeschritten ist. Diese Realität steht im Gegensatz zum Erfolg der "Fast-Track-Städte" wie Lissabon oder Porto, wo fünf der 12 teilnehmenden Städte es bereits geschafft haben, dass mehr als 95 % der Menschen, die mit HIV leben, ihren Status kennen.

Behandlung und neue Formen der Prävention

Im Bereich der klinischen Nachsorge zeigen die Daten aus 26 nationalen Krankenhäusern eine beeindruckende Erfolgsquote: 97,8 % der diagnostizierten Personen befinden sich in Behandlung, und 95,9 % haben eine virologische Suppression erreicht. Diese wirksame Kontrolle hat die Realität der Sterblichkeit verändert: Seit 2021 ist die Mehrheit der HIV-Infizierten an Ursachen gestorben, die nichts mit der Infektion zu tun haben. Schätzungen zufolge leben in Portugal derzeit 49.699 Menschen mit HIV, und das Gesundheitssystem ist in der Lage, dafür zu sorgen, dass eine Diagnose nicht länger ein kurzfristiges Todesurteil bedeutet. Ein Beweis dafür ist, dass bei 46,3 % der Todesfälle im Jahr 2024 die Betroffenen bereits seit mehr als 20 Jahren mit dem Virus lebten.

Um diese Zahlen zu stützen, hat das Nationale Programm die Präventionsstrategien verstärkt. Der Bericht hebt hervor, dass sich der Zugang zur PrEP (Präexpositionsprophylaxe) deutlich verbessert hat, die nun auch außerhalb des Krankenhauses erhältlich ist und den Schutz von Risikogruppen erleichtert.

Auch wenn die Gesamtzahl der Früherkennungsuntersuchungen leicht zurückgegangen ist, bleiben die Investitionen in Präventionsmaterialien und das Nadeltauschprogramm ein grundlegender Pfeiler, um die Ansteckung einzudämmen und das mit der Krankheit verbundene Stigma zu verringern.