Allein Lissabon hat seine geplante Kapazität fast vervierfacht, während die Ausführung und der Zugang zum Stromnetz für die nächste Wachstumsphase des Sektors immer wichtiger werden.

Wachsendes Interesse

Laut dem jüngsten Bericht von Colliers Data Centres "Iberian Region Snapshot - October 2025 to March 2026" zieht Portugal als digitaler Infrastrukturknotenpunkt ein wachsendes Interesse auf sich, das durch eine starke internationale Konnektivität und eine Pipeline von großen Investitionsprojekten angetrieben wird.

Lissabon entwickelt sich zum wichtigsten Wachstumsmotor des Landes. Die Stadt verfügt jetzt über 1.389 MW an geplanter IT-Kapazität - ein starker Anstieg gegenüber den 373 MW, die noch vor einem Jahr verzeichnet wurden. Nach der Inbetriebnahme des ersten AtlasEdge-Rechenzentrums in Lissabon, LIS001, stieg auch das operative Angebot von 20 MW auf 25 MW.

Auftrieb für den Markt

Der größte Impuls für den Markt kommt jedoch von Merlin Edged, das Pläne zum Bau von bis zu 1 300 MW IT-Kapazität in der Region Lissabon bekannt gab. Die Plattform positioniert sich als potenzieller Standort für eine der künftigen KI-Gigafabriken der Europäischen Union in Zusammenarbeit mit der portugiesischen Regierung. Das Unternehmen hat bereits 80 MW im Bau, die bis zum vierten Quartal 2027 in Betrieb genommen werden sollen, und weitere 100 MW sind bereits gesichert.

Auch andere internationale Betreiber bauen ihre Präsenz in Portugal aus. AtlasEdge sicherte sich eine grüne Finanzierung in Höhe von 253 Mio. €, um seinen Lissabonner Campus auf 30 MW zu erweitern, während Digital Realty durch den Erwerb einer 2,4-MW-Anlage in Carcavelos, in der Nähe wichtiger Unterseekabel-Anlandestationen, in den portugiesischen Markt eintrat; der Betrieb soll 2027 aufgenommen werden.

Ernstzunehmende Option

"Lissabon wird nicht mehr nur als aufstrebender Markt betrachtet, sondern zunehmend als ernsthafte Option für groß angelegte digitale Infrastrukturen in Europa", so Gonzalo Martín, Managing Director und Head of Data Centres Capital Markets, EMEA bei Colliers. "Die starke internationale Anbindung, die politische Unterstützung und das Ausmaß der angekündigten Projekte machen die Stadt zu einem festen Bestandteil der Landkarte für Hyperscaler und KI-gesteuerte Plattformen."

Geografische Lage

Portugals Attraktivität wird auch durch seine strategische geografische Lage und eines der stärksten Unterwasserkabel-Ökosysteme Europas verstärkt, das die Iberische Halbinsel mit Nordamerika, Afrika und Asien verbindet. In Verbindung mit der wachsenden Nachfrage nach KI-fähiger Infrastruktur trägt diese Konnektivität dazu bei, Portugal stärker in die globalen digitalen Netzwerke zu integrieren.

Der Bericht stellt auch fest, dass die Ausführungsfähigkeit und der Zugang zu Energie zu entscheidenden Faktoren für das zukünftige Wachstum werden. Anfang dieses Jahres hat Portugal einen neuen Regulierungsrahmen für den Netzzugang in Gebieten mit hoher Nachfrage eingeführt, der das traditionelle "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst"-Modell durch ein strukturierteres und wettbewerbsorientiertes Verfahren ersetzt. Dies schafft zwar höhere Eintrittsbarrieren, dürfte aber gut vorbereitete Projekte begünstigen und spekulative Entwicklungen einschränken.

"Der Markt für Rechenzentren wird nicht mehr nur durch die Nachfrage, sondern auch durch die Fähigkeit zur Umsetzung definiert", sagte José María Guilleuma, Managing Director für Rechenzentren bei Colliers Iberia. "Portugal verfügt über viele der strukturellen Merkmale, die Investoren heute suchen, aber die nächste Wachstumsphase wird davon abhängen, wie effizient Projekte innerhalb der neuen regulatorischen und energetischen Rahmenbedingungen vorankommen."

Rasche Entwicklung

Laut Pedro Valente, Managing Director bei Colliers Portugal, spiegelt die rasante Entwicklung des Sektors eine breitere Verschiebung in der Sichtweise internationaler Investoren auf das Land wider.

"Portugal wird nicht mehr als alternativer Markt betrachtet, sondern als strategischer Standort für Kapital, das eine skalierbare, zukunftsfähige digitale Infrastruktur sucht", sagte er. "Die Dynamik, die wir beobachten, spiegelt nicht nur eine starke Projektpipeline wider, sondern auch eine wachsende Übereinstimmung zwischen Investitionen, Konnektivität und institutionellem Engagement."