Aus der Ferne betrachtet ist es einfach eine Magnolienblüte, ein Meter cremeweißer Blütenblätter, die sich über die Leinwand entfalten und mit dem Spachtel dick aufgetragen wurden. Tritt man näher heran, kommt etwas anderes zum Vorschein: eine Form, bewusst gestaltet, halb verborgen in den Pinselstrichen des Gemäldes. Es ist ein Wort, geschrieben in altem Hebräisch, und hat man es einmal gesehen, kann man es nicht mehr übersehen.

Das ist die stille Signatur von Evgeny Maximov, 50, einem in Russland geborenen Maler, der auf dem Land in der Nähe der Palaststadt Mafra, 40 Kilometer nordwestlich von Lissabon, zu Hause ist. Maximov und seine Frau kamen 2007 nach Portugal, angezogen – wie viele andere auch – vom Licht, der Landschaft und dem entspannten Lebensrhythmus. Hier malt er, in einem sonnendurchfluteten Haus, umgeben von Feldern und Blumen, nur einen Steinwurf vom Atlantik entfernt.

In seinen ersten drei Jahren als Maler verkaufte Maximov fast achtzig Werke. Dann kam „das Leben dazwischen“, wie man so schön sagt. Er legte seine Farben beiseite, nahm eine Stelle im technischen Support an und half anschließend seiner Frau bei der Führung eines Familienunternehmens. Er konnte alles tun, was nötig war, bis auf eine Sache: Er konnte den Wunsch zu malen nicht unterdrücken.

Autor: Evgeny Maximov;

In voller Blüte

Heute widmet er sich wieder ganz seiner Leidenschaft.

Diese Arbeit hat sich zu einer Serie herauskristallisiert, die der Künstler „Ancient Song“ nennt: zehn große Blumenbilder, die jeweils um ein altes hebräisches Wort für Anbetung herum aufgebaut sind, wobei jedes Wort im Muster der Blume verborgen ist. Die weiße Magnolie, offen und entblößt gemalt, trägt das Wort „Yadah“ – Lobpreis mit erhobenen und offenen Händen, ohne etwas zu verbergen. Keine Blume, sagt er, ähnelt dieser Haltung mehr als eine Magnolie in voller Blüte. Eingebettet in eine Pfingstrose liegt „Tehillah“ – Lobpreis, der zum Gesang anschwillt. Eine Iris trägt heimlich das Wort „Halal“, was so viel bedeutet wie leuchten, ausgelassen feiern.

Das Verborgensein ist das Markenzeichen dieser eleganten Kunstwerke. Das Wort ist kein Etikett oder Banner auf der Vorderseite der Leinwand, sondern etwas, das in die Farbe eingewoben ist, sodass derjenige, der mit dem Gemälde lebt, erkennt, dass es da ist, während ein Besucher vielleicht einfach nur eine schöne Blume sieht. Es verwandelt ein Dekorationsobjekt in etwas Stilleres und Persönlicheres, ein Kunstwerk, das noch lange nach dem Schweigen des Raumes weiter spricht.

Autor: Evgeny Maximov;

Eine dokumentierte Serie

Maximovs Glaube bildet die Grundlage dieses Werks. Er und seine Frau sind Älteste und Lobpreisleiter an der Riverside International Church in Cascais. Die hebräischen Wörter sind keine Dekoration, die nur der Wirkung halber entlehnt wurde; sie sind das Vokabular eines Lebens. Doch die Gemälde sind keine Predigten. Es sind Blumen, geschaffen für Wohnungen, in denen Schönheit und Glaube dieselbe Wand teilen.

Die Bilder sind groß – etwa einen Quadratmeter. Sie sind vollständig von Hand in Öl gemalt und werden von Portugal aus weltweit versandt. Maximov dokumentiert die Serie, während sie wächst, ein Bild nach dem anderen, für ein kleines, aber wachsendes Publikum, das jedes neue Wort verfolgt, sobald es aus der Farbe hervortritt.

In gewisser Weise ist es eine sehr portugiesische Geschichte: Ein Paar, das von weit her kam, sich in das Land verliebte und nun dort, wo es seine Heimat gefunden hat, etwas Eigenes aufbaut. Dass dieses Etwas zufällig Schönheit ist, in die ein Geheimnis eingraviert ist, macht das Ganze umso passender.

Evgeny Maximovs Werke sind unter https://maximovart.com/ und auf Instagram unter @maximovartist zu finden.