Heute hat sich dieses Paradigma unwiderruflich geändert. Der eigentliche Motor des modernen Automobils ist die Software. Und genau an diesem Wendepunkt wird Portugal zu einem immer wichtigeren Akteur auf der globalen Landkarte der Automobilinnovation.

Ich habe diese Entwicklung genau verfolgt, und es gibt Unternehmen, die diesen strukturellen Sprung besser als alle anderen symbolisieren. Critical Software ist ein solches Beispiel. Das an der Universität von Coimbra im Rahmen scheinbar bescheidener akademischer Projekte gegründete Unternehmen hat schnell die Aufmerksamkeit einiger der anspruchsvollsten Branchen der Welt auf sich gezogen. Zu einer Zeit, als in Portugal kaum über technologisches Unternehmertum gesprochen wurde, entschied sich das Unternehmen, sich auf einen Bereich zu konzentrieren, in dem Fehler keine Option sind: kritische Systeme.

Diese Kühnheit hat portugiesische Technologie in die NASA gebracht, in Weltraummissionen, bei denen die Robustheit der Software eine Frage von Leben oder Tod ist. Dieselbe technische Kapazität würde sich jedoch auch in einem anderen Sektor, der sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet, als entscheidend erweisen: in der Automobilbranche.

Das Automobil ist heute eine digitale Plattform. Es ist gekennzeichnet durch Code, Fernaktualisierungen, ständige Konnektivität und zunehmende Intelligenz. In diesem Zusammenhang ist die strategische Beziehung zwischen Critical Software und BMW über BMW TechWorks besonders aufschlussreich. Hier geht es nicht um Outsourcing oder isolierte Projekte. Es handelt sich um eine tiefgreifende, integrierte Zusammenarbeit, bei der portugiesische Technik zu fast allen Geschäftsbereichen des deutschen Konzerns beiträgt, von Infotainmentsystemen bis hin zu Plattformen für autonomes und automatisiertes Fahren.

Dieses Modell bestätigt eine Realität, die von vielen noch unterschätzt wird. Portugal ist nicht nur ein Lieferant von Talenten. Es ist ein Referenztechnologiepartner in kritischen Sektoren, der in der Lage ist, komplexe, sichere und skalierbare Lösungen weltweit zu liefern. Der Übergang zu softwaredefinierten Fahrzeugen erfordert genau das: rigorose Technik, eine Kultur der Qualität, Systemdenken und die Fähigkeit, sich schnell anzupassen.

Natürlich bringt dieser Wandel auch entsprechende Herausforderungen mit sich. Die zunehmende Konnektivität der Fahrzeuge rückt Themen wie Cybersicherheit, Datenschutz, europäische Vorschriften und funktionale Sicherheit in den Mittelpunkt der Debatte. Mit der fortschreitenden Automatisierung stellen sich neue Fragen zu Haftung, Interoperabilität und Integration in intelligente Infrastrukturen. Aber auch hier beweist die portugiesische Technik Reife, indem sie Probleme vorhersieht und zu Lösungen beiträgt, die den höchsten internationalen Standards entsprechen.

Der Fall der kritischen Software veranschaulicht einen umfassenderen Punkt. Er zeigt, dass Portugal nicht mehr nur ein peripherer Markt ist, sondern vielmehr ein Pol der technologischen Wertschöpfung. Software ist heute der neue Motor der Automobilbranche. Ein wichtiger Teil dieses Motors wird zunehmend in Portugal konzipiert, entwickelt und validiert.